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Carmen, Wildschütz und Figaros Hochzeit

MOERS (prs) Classicats nennt sich ein Projekt, in dem junge Akteure aus Düsseldorf und Umgebung sich „in der Lücke zwischen professionellem Musikbetrieb und Amateurtheater bewegen“. Mit seinem erfrischend frechen Opernmedley „Figaro ist verreist“ gastierte das Musiktheater jetzt erstmals in Moers. In der Repelener Dorfkirche, deren Kulturprogramm immer wieder für Überraschungen gut ist, trafen Bizets Carmen, Lortzings Schulmeister und Mozarts Contessa Almaviva zusammen, denn die Opera mista bringt gleich drei große Bühnenwerke auf einen gemeinsamen Nenner: Bizets „Carmen“, Lortzings „Der Wildschütz“ und Mozarts „Figaros Hochzeit“.

Die Geschichte ist schnell erzählt: Graf Eberbach ist verärgert über den Schulmeister Baculus, der in seinem Wald gewildert hat, und schreibt ihm einen Brief betreffs der Amtsenthebung. Gräfin Almaviva ist verärgert über ihren untreuen Ehemann und lädt Almaviva mit einem Brief unter falschem Namen zu einem Stelldichein. Pancratius, der leicht verschusselte Diener des Grafen, soll den Brief vom gnädigen Herrn Grafen Eberbach zum Schulmeister Baculus bringen und den Brief der Gnädigen Frau Gräfin Almaviva zum Gnädigen Herrn Grafen Almaviva. Jedem Opernbeflissenen ist von vornherein klar, was kommen muss. Und so dreht sich das uralte Karussell um Liebe und Leid, um Lust und Frust, wie man das aus dem Opernbetrieb kennt.

Feuriges Temperament

Vor einer Kulisse, die mit einem Minimum an Requisiten ein Maximum an Effekt erzielt, geht das Ganze durch alle Irrungen und Wirrungen seinen Gang: spritzig, humorvoll und erstaunlich professionell in der musikalischen Umsetzung. Obwohl die meisten Ensemblemitglieder im „wirklichen Leben“ anderen Berufen nachgehen, überzeugen sie nicht nur durch ihr engagiertes Spiel, sondern auch durch kräftige, volltönende Stimmen. Allen voran Natalie Mol, die als Contessa Alvaviva brilliert, Nicole Peterkau, die sich vom braven Gretchen zur energischen Mercedes wandelt, und nicht zuletzt Juliane Löffler, die als verführerische Carmen feuriges Temperament ins Spiel bringt. Der Arien- und Melodienmix mit dem an persiflierten Seitenhieben in die Moderne durchsetzten Libretto, das nicht einmal vor Günther Jauch und Dieter Bohlen Halt macht, gipfelt in einem „dramatischen“ Wasserpistolen-Duell.

Quelle: Publikation: Rheinische Post Moers

Kritik Repelen
Kritik Hilden_internet

Contessa Almaviva legt gekonnt eine Ohnmacht hin.

Kritik NRZ Hilden 30.11.2004

 Opern-Duell mit Wasserpistolen

 CLASSICATS / Trotz Augenzwinkern bewiesen die Akteure hohes musikalisches Niveau.

Auf der Bühne ging es zwei Stunden munter zu

Hilden. Adventstrubel und Vorweihnachtsstress - wer hat da schon Zeit, in die Oper zu gehen. Das dachte sich auch Reinhard Dix vom MusikTheater "Classicats" und machte gemeinsam mit dem Sinfonie-Orchester Niederberg unter der unterhaltsamen Leitung von Matthias Kaufmann dem Publikum in der Musikschule ein reizvolles Angebot: Drei Opern in zwei Stunden bot der Abend unter dem Titel "Figaro ist verreist".
Für den bildungsbeflissenen Konzertbesucher bedeutete das nicht nur zwei gesparte Abenden in rotsamtenen Opernsesseln, sondern auch einen ebenso amüsanten wie hochkarätigen Musikgenuss. In einer Verwechslungsgeschichte traf sich George Bizets Carmen mit Gretchen und Schulmeister Baculus aus Lortzings "Wildschütz" und Graf und Gräfin Almaviva aus "Figaros Hochzeit" von Mozart.
Schon die von Kaufmann arrangierte Ouvertüre machte deutlich, wie witzig und spannend sich das anhören kann. Gewürzt wurde die Opera mista mit Verfremdungen und Aktualisierungen, bei denen weder Günther Jauch und Dieter Bohlen noch ein dramatisches Duell mit Wasserpistolen fehlten.
Trotz Augenzwinkern und Unterhaltungswert nahmen die Musiker ihre Sache doch ernst und bewiesen ihr hohes musikalisches Niveau. Das Sinfonie-Orchester Niederberg, in dem mehr als 50 Hobbymusiker aller Altersgruppen seit 2002 gemeinsam spielen, bot ausgewogen und mit hörbarem Spaß den Rahmen des Abends. Die Classicats - organisatorisch in der Lücke zwischen professionellem Musikbetrieb und Laientheater angesiedelt - bewiesen stimmlich, dass ihre Tendenz in Richtung Profis geht. Mit Spielfreude und schauspielerischem Talent begeisterten sie das Publikum genauso, wie mit ihrem Gesang. Da wurden die hysterische Contessa Almaviva (Natalie Mol), Powerfrau Carmen (Juliane Löffler), der Midlife-Crisis-geschüttelte Graf Eberbach (Ullrich Höddinghaus) und Bass Schulmeister Baculus (Reinhard Dix) auf der Bühne lebendig und bewiesen: "All you can hear" macht richtig Spaß. (sum)

Rheinische Post v. 22. Nov. 2004

Amüsanter Klassik-Mix

Carmen, Figaro und Wildschütz „Drei Opern in zwei Stunden“ versprach ein bestens aufgelegtes Ensemble. Und sorgte in der Kant-Aula für ein begeistertes Publikum. 

Von Ruth Ortlinghaus

HEILIGENHAUS    Ein charmantes opernhaftes Verwirrspiel um das uralte Thema von Liebe, Lust und Frust amüsierte am Freitag in der Kant-Aula. Mit hör- und sichtbarer Spielfreude führten das Sinfonie-Orchester Niederberg und das Düsseldorfer Opernensemble „Classicats“ eine „Opera mista“ auf, eine köstliche und komödienhafte Arien- und Melodienmischung aus „Carmen“ von Bizet, „Figaros Hochzeit“ von Mozart und Lortzings „Der Wildschütz“.
Und das überzeugend dynamisch im Musizieren und glänzend im schauspielerischen Agieren unter dem Titel „Drei Opern in zwei Stunden“ oder „Figaro ist verreist“. Allein die Idee verdient Lob und Anerkennung. Wie aus einem Guss verschmolz die gewagte aber äußerst gelungene Collage mit bekannten Motiven und beliebten Melodien zu einer einheitlichen opernhaften Komödie.

Sprachliche Moderne
Ralph Maisel, geprägt durch die Düsseldorfer Operette, schrieb das persiflierte und mit Essenzen der sprachlichen Moderne gewürzte Libretto. Bei seiner Regie stand ihm ein ausgebildet gutes Stimmpotential von Sängerinnen und Sängern zur Verfügung, die aber alle anderen Berufen nachgehen und aus Liebe zum Musiktheater ohne Gage spielen. Auch in der Wahl des Klangkörpers hatte Maisel eine überaus glückliche Hand. Die Jugendlichen des Sinfonie-Orchesters Niederberg sind ein Garant für Qualität. Das war gleich in der dynamisch intonierten Ouvertüre hörbar, ein genialer Mix aus den drei Opernvorspielen, glänzend arrangiert vom Dirigenten und Komponisten Matthias Kaufmann. Mit sicherer Hand führte er sein Orchester zur technischen Perfektion im klangschönen Spiel der Begleitung und zum präzisen Einsatz die Sängerinnen und Sänger. Die agierten lustvoll vor einem sparsamen Bühnenbild, das gekonnt mit wenigen Requisiten aus Bank, Steele, hochrankenden Blumen und roter Beleuchtung in einen romantischen Lustgarten versetzte. In tragikomödischen Romanzen sorgten hier die Figuren in ihren geschmackvollen Kostümen in gewollten oder aufgezwungenen Flirts für köstliche Verirrungen und Verwirrungen. So war es selbstverständlich, dass die Contessa Almaviva (Natalie Mol mit fülligem Sopran) aus dem „Figaro“ auf den Schulmeister Baculus (Reinhard Dix, grandios agierend mit voll tönendem Bass) aus dem „Wildschütz“ traf, Lortzings Graf Eberbach (Ulrich Höddinghaus mit warmem Tenor) sich in Bizets schöne Carmen (Juliane Löffler mit prachtvollem Mezzo) verliebte und die mit Lortzings Gretchen (Nicole Peterkau) eine Verschwörung gegen die untreuen Männer einging. Tosender Applaus von leider „nur“ 300 Gästen.

Konzertkritik, veröffentlicht in der WAZ

Tollhaus Oper - ganz ohne Figaro

Sinfonie-Orchester Niederberg und Classicats zeigten amüsanten Werk-Mix im Forum

 

Ein "Best of Opera", eine Zusammenstellung der schönsten Opern-Arien - das gibt es in Konzerten immer wieder zu hören. Aber aus den Hits dreier bekannter Opern mit viel Witz ein ganz neues Stück zu weben - diese Idee hat schon was.

Umgesetzt wurde sie mit Charme und musikalisch überzeugend vom Sinfonie-Orchester Niederberg und dem Classicats Musik-Theater - und zwar unter dem bezeichnenden Titel "3 Opern in 2 Stunden" (oder: "Figaro ist verreist"). Die Ouvertüre verriet den Premierengästen im Forum Niederberg unmissverständlich, was sie im weiteren Verlauf des Abends erwarten würde: War sie doch gewissermaßen ein Medley (wunderbar frisch arrangiert von Orchesterleiter Matthias Kaufmann) der bekannten Vorspiele aus W. A. Mozarts "Die Hochzeit des Figaro", Georges Bizets "Carmen" und Albert Lortzings "Wildschütz".

Genau diesen drei beliebten Werken waren nicht nur die Melodien entliehen, sondern auch die Figuren. Da traf die Contessa Almaviva ("Figaro") auf den Schulmeister Baculus ("Wildschütz"), machte Lortzings Gretchen gemeinsame Sache mit Bizets Carmen. Das Ganze gewürzt mit etwas List und ganz viel Liebe - wie es sich für eine Oper so gehört - und fertig war das neue Werk.

Überraschen mag, dass es in dieser Collage aus Musiken und Motiven keinerlei Brüche gab. Das Orchester - gut aufgelegt und den Gesangssolisten ein aufmerksamer Begleiter - hielt die ganze Zeit über die Spannung. Und die Classicats-Sänger - ebenso wie die Instrumentalisten überwiegend Amateure - entwickelten ihr Spiel mit einem Augenzwinkern, das über alle Irrungen und Wirrungen hinweg trug. So ließ Sopranistin Barbara Reh schon mit ihrer ersten Arie "Hör mein Flehen" ihre Contessa recht überkandidelt daherkommen. Und Carmen, die doch eigentlich Unwiderstehliche mit ihrer gefühlvollen Arie "Ja, die Liebe hat bunte Flügel" (Juliane Löffler), jagte den Herren dieser speziellen Oper mit ihrem fordernden Auftreten - meist bei passendem Rotlicht übrigens - richtig Angst ein. Großen Spaß hatte das Publikum vor allem auch an den Auftritten von Reinhard Dix als Schulmeister Baculus: Er überzeugte mit markantem Bass ("5000 Taler") und komischem Talent.

Nina Grontzki

Weitere Aufführungen: 19. November, 20 Uhr, Immanuel-Kant-Gymnasium, Heiligenhaus; 28. November, 18 Uhr, Musikschule Hilden.

22.11.2004 / LOKALAUSGABE / HEILIGENHAUS

 Ein Feuerwerk von Theater und Opernmelodien geboten

 "Sinfonieorchester Niederberg" und "Classicats" in der Aula

Was sie jetzt nicht wissen - da unten sitzt ein Orchester. Ich lasse die jetzt aufstehen, das sehen sie zwar nicht, aber wenn sie ein bisschen Lärm machen, weiß das Orchester auch, dass sie da sind." Mit diesen humorigen Worten begrüßte der ebenfalls nur halb zu sehende Dirigent Matthias Kaufmann in der Aula des Kant-Gymnasiums das Publikum, das sich eingefunden hatte, um der Koproduktion des Sinfonieorchesters Niederberg und des Musiktheaters Classicats zu lauschen und zuzusehen. Und so lustig wie der Beginn wurde der ganze Abend. Denn nachdem die Überraschung über den doch eher ungewohnten Anblick eines Orchestergrabens vor der Bühne abgeklungen war, gab es ein wahres Feuerwerk an Theater und Oper für die leider viel zu wenigen Zuschauer und -hörer. "Figaro ist verreist" - so hieß der Mix aus drei Opern, der mit berühmten Melodien und Gesängen aus "Der Wildschütz", "Carmen" und "Figaros Hochzeit" und einer eigens entworfenen Handlung aufwarten konnte. Die Hauptpersonen aus allen Opern bunt zusammengewürfelt und miteinander verbändelt, Briefe, die den falschen Adressaten zugestellt werden und für viel Verwirrung sorgen sowie eine äußerst kurzweilige Handlung, die mit lustigen Anspielungen nur so gespickt war ("Was hast du denn gelernt, Gretchen?" "A, B, C, D . . ." "Das ist ja nicht viel. Reicht gerade für Günther Jauch"), das alles sorgte für viel Abwechslung.

 Gretchen und die Gräfin Almaviva, Carmen und Graf Eberbach passen im Grunde hervorragend zusammen, denn um ganz viel Liebe und Untreue sowie Zwischenmenschliches im Allgemeinen geht es ja ohnehin in allen drei Opern. Das Sinfonieorchester spielte sehr harmonisch und von Dirigent Kaufmann souverän geleitet so bekannte Stücke wie "5 000 Taler", "Ja, die Liebe hat bunte Flügel" und "Hör mein Flehen" - bestimmt ist dieses Stück außerdem selten so schön im Bademantel und mit einem Handtuch um den Kopf von einer leicht überkandidelten Gräfin vorgetragen worden. Hervorragende Solisten der Classicats - die meisten Amateure - mit ebenfalls viel schauspielerischem Talent, ein gut aufgelegtes Orchester und ein komplett neues Stück ganz ohne Figaro - denn der war ja verreist.

 "Das ist mal ganz was anderes", sagte eine Besucherin in der Pause und klang durchaus angenehm überrascht. Wenn das in "Mercedes" umbenannte Gretchen versehentlich "Kia", "Clio" oder "Isetta" gerufen, ein Schmuggler in Außenwirtschaftskaufmann umbenannt und das Pistolenduell mit Wasserpistolen ausgetragen wird, dann könnte dieses neue Stück gerade auch für Opernmuffel eine wunderbare Gelegenheit sein, erste Erfahrungen mit diesem Genre in einer etwas "lockereren" Umgebung zu machen. "Drei Opern in zwei Stunden" waren angekündigt - das ging prima. sar