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DIENSTAG 1. NOVEMBER 2005 'RHEINISCHE POST

Brahms-Lieder in allen Variationen HORST KLITZING

METTMANN Einerseits war das Konzert mit Volksliedern von Johannes Brahms (1833 - 1897) eine interessante Ergänzung zum VHS-Kurs "Lieben Sie Brahms? Porträt eines deutschen Komponisten", den Karl-Heinz Kensche leitet. Und so waren denn die Teilnehmer auch zum Liederabend in die Musikschule Mettmann gekommen. Auf der anderen Seite fühlten sich weitere Zuhörer aus Mettmann nicht angesprochen, was bei dieser ansprechenden Musik, in hoher Qualität dargeboten, eigentlich schade war.

Mit Juliane Löffler (Alt) und Reinhard Dix (Bass) war es Karl-Heinz Kensche, der den anspruchsvollen Klavierpart übernommen hatte, gelungen, zwei Sänger mit stimmlichem Großformat zu gewinnen. Die Altistin verfügte über eine voll entwickelte, prägnante Stimme, die auch in den tiefen Lagen nichts von ihrer Kraft verlor. Im Klangvolumen und der präzisen Artikulation war ihr der Bass von Reinhard Dix ebenbürtig. Seine Stimme wirkte sonor und im Forte metallisch - leuchtend. Da es sich bei vielen der 24 gesungenen Volkslieder um klagende oder neckische Dialoge von Liebenden handelte, waren die beiden in ihrem Element und spielten ihren Vortrag zu kleinen Szene aus, wobei ihnen ihre Arbeit im Classicats Theater Düsseldorf zustatten kam.

Die Volkslied-Bearbeitungen von Brahms fallen in seine letzte Schaffensperiode. Sieben Hefte erschienen 1894, noch einmal 28 Volkslieder aus dem Nachlass, veröffentlicht 1926. Brahms ließ die Melodien der Volkslieder fast original in ihrer naiven Schlichtheit und klaren Aussage stehen, umgab sie aber mit romantischem Rankenwerk. Dadurch entstanden kleine Melodramen, die die drei Künstler mit sichtlichem Vergnügen musizierten. Aber auch ernste Töne über Abschied, Trennung und Tod waren herauszuhören. Hier besonders eindrücklich der Schluss des Programms mit "Es steht ein Lind in jenem Tal" mit der unendlichen Klage über das verlorenen Lieb' und "In stiller Nacht" mit hochromantischer Interpretation.

Anstelle einer Pause spielte Karl-Heinz Kensche die Ballade für Klavier op. 10 "Edward" von Brahms nach einem schottischen Gedicht, in dem es um Blut und Mord geht. Löffler und Kensche rezitierten den Text, der sich in Herders "Stimmen der Völker" findet. Dieses Jugendwerk von Brahms steigert sich bis zum Bekenntnis des Vatermords und dem Fluch des Mörders ins Fortissimo, was Kensche grandios und plastisch zu spielen wusste.

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Opernprojekt:
Zara Zimmermann

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Opernprojekt:
Figaro ist verreist

programme patience

Opernprojekt:
Patience

Liederabend in der Versöhnungskirche:
Schuberts "Winterreise" mit Bilderzyklus von Siegfried Rischar

Stimmugshafte Korrespondenzen
zu Schubert

Von TOBIAS KUHLMANN

Eine Reise durch die Seelenschaft eines unglücklich Liebenden. Trostloser Winter im Herzen, der Schatz ist hinweg. Davon handelt Schuberts Winterreise aus dem Jahr 1827, die Reinhard Dix, Bariton. und KarlHeinz Kensche, Klavier. am Sonntagabend in der Versöhnungskirche aufführten.

In eher stimmungshafter, weniger konkret gegenständlicher Korrespondenz steht der gleichnamige Bilderzyklus von Siegfried Rischar, der die Klänge illustrierte. Oder untermalte die Musik die Gemälde? Dem Publikum blieb es selbst überlassen, Prioritäten zu setzen. Ob man nach thematischen Verbindungen suchte oder nach gemeinsamen  Stimmungselementen, für eigene Assoziationen war natürlich auch Platz.

Moll, langsames Tempo und getragener Gesang. In "Gute Nacht", dem ersten Lied des Zyklus, zeigt sich die Stimmung des Reisenden beim Aufbruch in seine geistige, imaginäre Winterlandschaft. Kalte Farben auf der Leinwand. Viele Grautöne, trübes Blau und verneinendes Schwarz wirft der Diaprojektor auf die weiße Fläche. Weiche Querlinien schneebedeckter Hügel, spärlich durchbrochen von wirren Ästen, erst mit dem zweiten Blick erspäht man Augen, die in unbewegter Klarheit durch die Hindernisse blicken.

Stürmisch aufwühlend schließt sich das nächste Lied an. Große Unruhe beim Klavier und ein abrupter Schluß. Textlich wiederholen sich Temperaturkontraste und das Motiv des Wassers. Musikalisch finden sich die häufigen Wechsel zwischen Traum und Realität in den Tongeschlechtern Dur und Moll wieder. Die entsprechenden Bilder hingegen ermöglichen selten einen Ausbruch aus der kalten Wirklichkeit. Viel mehr als einen die Kälte durchschneidenden hellen Streifen gönnt Rischar dem imaginären Wanderer nicht.

Abgehackte Akkorde im Klavier und bewegter Gesang in "Auf dem Flusse". Das mal starre mal anschwellende Wasser als Metapher für den Schmerz des Herzens und wieder ein gerader Blick aus einem verborgenen Gesicht, im Flußlauf ungelenk verschränkte Hände.

Brennenden Schmerz, heiße Todessehnsucht und strahlende musikalische Trugbilder brachten Dix und Kensche eindringlich dar. Durch jahrelange Zusammenarbeit vortrefflich eingespielt waren oft noch nicht einmal Blicke zur Abstimmung nötig.

Begeisterter Beifall in der gutbesuchten Kirche.

Rheinische Post über “Schillers Glocke” von Andreas Romberg

... Rombergs Kantate verteilt den Text auf Solisten und Chor, wobei dem Glockengießer-Meister die Hauptrolle zukommt. Er treibt die Gesellen an, philosophiert, kommentiert und bringt das Geschehen voran. Ein romantisch besetztes Orchester gibt dem sängerischen Aufbau die passende Grundlage. ...   ..  ... Es lag aber auch an den Solisten, die nicht in überzogene Dramatik verfielen. Mit Reinhard Dix hatte der "Meister" nicht nur von der Statur, sondern auch von der Stimme her einen Darsteller, der mit sonorem Organ und dennoch mit Wärme in Höhen und Tiefen eine makellose Leistung brachte.
Gleich gut waren auch die kleineren Solo-Partien besetzt. Astrid Daun (Sopran), Juliane Löffler (Alt) und Leszek Woziwoda (Tenor) überzeugten mit klar timbrierten und gut geführten Stimmen mit feinem Ausdruck. ....

... Ausführende waren Juliane Löffler (Alt), Elisabeth Wand (Cello), Dorothee Oberlinger (Flöte) und Dieter Böttcher (Cembalo). Sie boten eine musikalische Inszenierung – oder soll man besser sagen: eine Beschwörung der alten Zeit. Grosses virtuoses Können paarte sich hier mit spielerischer Begeisterung, ja, sie empfanden sichtbar und hörbar selbst größten Spaß, der sich auf der Stelle übertrug. Die erfreulich zahlreichen erschienen Zuhörer hatten ein feines Gespür dafür, was sich da vor Ihren Augen und Ohren zutrug und belohnten es nach jedem Stück mit prasselndem Beifall.