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Von TOBIAS KUHLMANN
Eine Reise durch die Seelenschaft eines unglücklich Liebenden. Trostloser Winter im Herzen, der Schatz ist hinweg. Davon handelt Schuberts Winterreise aus dem Jahr 1827, die Reinhard Dix, Bariton. und KarlHeinz Kensche, Klavier. am Sonntagabend in der Versöhnungskirche aufführten.
In eher stimmungshafter, weniger konkret gegenständlicher Korrespondenz steht der gleichnamige Bilderzyklus von Siegfried Rischar, der die Klänge illustrierte. Oder untermalte die Musik die Gemälde? Dem Publikum blieb es selbst überlassen, Prioritäten zu setzen. Ob man nach thematischen Verbindungen suchte oder nach gemeinsamen Stimmungselementen, für eigene Assoziationen war natürlich auch Platz.
Moll, langsames Tempo und getragener Gesang. In "Gute Nacht", dem ersten Lied des Zyklus, zeigt sich die Stimmung des Reisenden beim Aufbruch in seine geistige, imaginäre Winterlandschaft. Kalte Farben auf der Leinwand. Viele Grautöne, trübes Blau und verneinendes Schwarz wirft der Diaprojektor auf die weiße Fläche. Weiche Querlinien schneebedeckter Hügel, spärlich durchbrochen von wirren Ästen, erst mit dem zweiten Blick erspäht man Augen, die in unbewegter Klarheit durch die Hindernisse blicken.
Stürmisch aufwühlend schließt sich das nächste Lied an. Große Unruhe beim Klavier und ein abrupter Schluß. Textlich wiederholen sich Temperaturkontraste und das Motiv des Wassers. Musikalisch finden sich die häufigen Wechsel zwischen Traum und Realität in den Tongeschlechtern Dur und Moll wieder. Die entsprechenden Bilder hingegen ermöglichen selten einen Ausbruch aus der kalten Wirklichkeit. Viel mehr als einen die Kälte durchschneidenden hellen Streifen gönnt Rischar dem imaginären Wanderer nicht.
Abgehackte Akkorde im Klavier und bewegter Gesang in "Auf dem Flusse". Das mal starre mal anschwellende Wasser als Metapher für den Schmerz des Herzens und wieder ein gerader Blick aus einem verborgenen Gesicht, im Flußlauf ungelenk verschränkte Hände.
Brennenden Schmerz, heiße Todessehnsucht und strahlende musikalische Trugbilder brachten Dix und Kensche eindringlich dar. Durch jahrelange Zusammenarbeit vortrefflich eingespielt waren oft noch nicht einmal Blicke zur Abstimmung nötig.
Begeisterter Beifall in der gutbesuchten Kirche.
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